Von dem Wunsch Schule zu verändern

Erleben Sie einen besonderen und persönlichen Einblick in die Geschichte des Instituts für Produktives Lernen in Europa e.V. (IPLE). Vom dem Zeitgeist der damaligen Bildungspolitik, den Freuden und Hürden der Institutsgründung und warum das IPLE seit jeher einen bedeutsamen Beitrag für die Bildungsentwicklung von jungen Menschen leistet.

„Wir schaffen keine miteinander konkurrierende pädagogische Qualität“. Produktives Lernen eröffnet eine sinnvolle Bildungsalternative zum traditionellen Lernen und ist für Jugendliche geeignet, die andere Lernformen für ihre individuelle Bildungsentwicklung benötigen, die eben anders lernen wollen.“

INGRID BÖHM & JENS SCHNEIDER, Gründer*innen des IPLE

Auszug aus dem Interview mit Ingrid Böhm, 2023


Interview mit Ingrid Böhm & Nachruf für Jens Schneider


Produktives Lernen leistet einen sehr wichtigen Beitrag für die Entwicklung von jungen Menschen und fördert den Zugang zu einer qualifizierten Berufsausbildung. Ich würde mir für das Produktive Lernen eine noch stärkere Vernetzung von Institutionen der freien Wirtschaft wünschen, die unter dem Mangel an qualifiziertem Fachkräftenachwuchs leiden. Jugendliche aus dem Produktiven Lernen bringen wertvolle Praxiserfahrungen mit, die auf dem Arbeitsmarkt dringend gesucht werden. 

INGRID BÖHM, GRÜNDERIN DES IPLE, Auszug aus dem Interview, 2023

Über die Entstehung und Entwicklung des IPLE

Ausgehend von den Erfolgen der Stadt als Schule in Berlin, die einen innovativen Bildungsansatz einführte, waren die Gründer*innen des Produktiven Lernens und das Team um Ingrid Böhm und Jens Schneider, bestrebt das Angebot dieses Konzepts geografisch auszuweiten. Indem sie das konventionelle Schulumfeld mit seinen stagnierenden Lerntheorien und dem unbewiesenen „One-Size-Fits-All“-Ansatz in Frage stellten, hofften sie, dem beunruhigenden Trend zu abschlussgefährdeten Schülern und einer Abbrecherquote von fast 10 % auf breiterer Basis zu begegnen. Zu diesem Zweck gründeten sie 1991 das Institut für Produktives Lernen (IPLE) als An-Institut an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Lernende, die eine dynamischere und erfahrungsorientiertere Lernerfahrung suchten, hatten endlich eine Option, die ihre selbst bestimmten Lerninhalten und ihren praktischen Erfahrungen mit einer Zukunftsperspektive verbanden.

Das ursprüngliche Team, das für die Entwicklung dieses umfassenden Programms zusammengestellt wurde, hatte einen reichen und vielfältigen Hintergrund. Jeder von ihnen hat aus erster Hand erfahren, dass viele Schüler einfach etwas brauchen, das sie mehr anspricht und individueller ist als das, was ihnen angeboten wird, und alle waren bestrebt, neue Methoden zu entwickeln, um auf diese individuellen Bedürfnisse einzugehen und einen anderen Weg zu finden, das Lernen dieser jungen Menschen zu fördern. Gemeinsam setzt sich das Team des IPLE seit jeher für die Weitentwicklung des Produktiven Lernens ein und trägt mit seiner Leidenschaft für das Thema zu einem höchst persönlichen Fortbildungsethos bei.

Der Bildungsansatz des Produktiven Lernens hat in drei Jahrzehnten mit zahlreichen Bildungsprojekten in über 15 Ländern großen Erfolg gehabt. Sein bewährtes Konzept ist in Deutschland als regelhafter Bildungsgang mit einem anerkannten Schulabschluss in das Schulsystem übernommen worden. In den kommenden Jahren wird Produktives Lernen weiterhin führend sein, indem es sein Angebot einer selbst bestimmten, individualisierten und zielorientierten Art des Lernens auf ein breiteres Spektrum von Schülern ausdehnt, die einen anderen Weg suchen, ihre Bildungs- und Berufsziele zu erreichen.

Gleichzeitig mit der Gründung des IPLE riefen Ingrid Böhm und Jens Schneider 1991 das International Network of Productive Learning Projects and Schools (INEPS) ins Leben, das inzwischen Schulen und außerschulische Bildungseinrichtungen Produktiven Lernens in 15 europäischen Ländern und in den USA umfasst und einen europaweiten fachlichen Austausch ermöglicht.

Basierend auf diesen bestärkenden Erfahrungen hat sich das IPLE zu einem internationalen Fortbildungsinstitut weiterentwickelt und beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Begleitung von mehrjährigen Entwicklungsprojekten zum Produktiven Lernen sowie der Qualitätssicherung des Produktiven Lernens, der Schulentwicklung im Allgemeinen, der Unterstützung von Schulen und pädagogischem Personal durch Fortbildung und Supervision, Beratung und Prozessbegleitung sowie durch Vorbereitung und von Durchführung von schulinternen Veranstaltungen wie z. B. Studientage sowie der Durchführung von Projekt- und Programmevaluationen.

„Ich bin davon überzeugt, wir waren auch deshalb erfolgreich in unserer Entwicklungsarbeit, weil wir dieses „Kompetenzteam“ hatten. In Krisenzeiten, (z.B. Kürzung von Stellen, Projektmittel wurden reduziert usw.) gab es viel solidarisches Verhalten.

„Über die Jahre wuchs INEPS zu einer „INEPS-Family“ zusammen, die durch enge Kooperationen den intensiven Austausch an Praxiserfahrungen beförderten.“

INGRID BÖHM, Auszug aus dem Interview, 2023

Rückblick in die Gründungszeit des IPLE

„Die „Stellschraube an der ich gerne drehen würde“ wäre, dass man  für die Planungs-, Durchführungs- und Auswertungsarbeit eine gesicherte Finanzierungzusage für mindestens fünf Jahre besser noch für eine  längere Zeit erhält, damit eine von finanziellen Sorgen unbelastete, qualitativ hochwertige Entwicklungsarbeit für ein Bildungskonzept geleistet werden kann und dadurch Ergebnisse vorgelegt werden können, die auf einem fundierten Boden stehen und Bildungspolitiker*innen überzeugen.“

INGRID BÖHM

Möchten Sie noch mehr über die Tätigkeiten des IPLE erfahren? Wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns gern. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.