Besuch der Lernwerkstatt der ASH

Anlässlich des Seminars zum Thema Lernwerkstatt, wurden die Pädagog*innen aus Schleswig-Holstein in der ASH von Prof. Dr. Francesco Cuomo empfangen, der seit 2019 die Professur für Frühpädagogik und Didaktik mit den Schwerpunkten NaWi, Mathematik und Technik an der Hochschule inne hat. In der Lernwerkstatt der ASH erfahren Kinder und Erwachsene naturwissenschaftliche Phänomene hautnah durch selbstständiges und lebendiges Entdecken und Ausprobieren mithilfe einer Vielzahl unterschiedlicher (Alltags-) Materialien.


Im Workshop konnte die Seminargruppe mithilfe einer vorbereiteten Lernumgebung zum Thema „Schwimmen und Sinken“ zum einem dem Phänomen selbst nachgehen, zum anderen die Arbeitsweise in der Lernwerkstatt kennenlernen: Für die Lernumgebung war ein transparentes Wasserbecken aufgebaut und lagen unterschiedliche Früchte bereit: Banane, Apfelsine, Limone, Weintraube, Melone etc. Zunächst entwickelten die Teilnehmerinnen gemeinsam in der Gruppe unter der Lernbegleitung von Francesco Cuomo Hypothesen zum Schwimmverhalten der Früchte und überprüften diese: Was schwimmt und was nicht? Wovon hängt es ab? Erfahrungen, Erklärungen und Fragen wurden ausgiebig ausgetauscht und diskutiert. In einem nächsten Schritt gab es Zeit für die Teilnehmerinnen, selbstbestimmt eigenen Hypothesen nachzugehen: Allein oder in der Gruppe wurden unterschiedliche Gegenstände aus der Lernwerkstatt im Wasserbecken getestet. Anschließend wurden zwei Teams gebildet, die mit folgendem Impuls gegeneinander antraten: Füllt oder gestaltet verschiedene Gegenstände so, dass das jeweils andere Team nicht erraten kann, ob die Gegenstände schwimmen oder sinken. Danach wurden die gefüllten Gegenstände gemeinsam getestet.

In der gemeinsamen Reflexion wurden die Herangehensweise an das Thema und die Rolle der Lernbegleitung insgesamt diskutiert: Welche Hypothesen wurden bestätigt? Was wisst ihr jetzt, was ihr vorher nicht wusstet? Was ist euch aufgefallen? Welche Rolle spielt nach eurer Erfahrung im Workshop die Lernbegleitung? Es wurde deutlich, dass sich die Annäherung an das Thema deutlich von denen der Kinder unterscheidet: Kinder finden ihre Erklärungen nicht über Begriffe wie Dichte, Masse und Volumen, da sie inhaltlich noch nicht gefüllt sind. Sie erschaffen sich ihre Erklärungen im Prozess neu. Francesco Cuomo erläuterte nach der Reflexion die Grundlagen des selbständigen und entdeckenden Lernens in der Lernwerkstatt: Die lerntheoretische Basis dafür ist der moderate Konstruktivismus: Wir entwickeln aus Erfahrungen und Gelerntem Schemata, mit denen wir die Welt wahrnehmen (Beispiel die konvexe Maske), diese Schemata sind zum Teil so stark, dass wir Dinge anders wahrnehmen, als sie in der Realität sind (beispielsweise nehmen wir beim Anblick einer konkaven Maske dennoch eine konvexe Form wahr). Um Teilnehmer*innen zum Lernen und zum Fragen stellen anzuregen, ist es hilfreich, solche gegen das Schema verstoßende Phänomene in Miniaturen (Ausschnitte der Wirklichkeit in der Lernwerkstatt) zu präsentieren: z. B. sinkt die leichte Weintraube im Wasser, während die schwere Melone schwimmt. Im Zentrum steht dabei, eigene Fragen zu stellen, sich auf die
Suche nach Antworten zu begeben, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten sowie gemeinsam und wertschätzend Lernerfahrungen auszutauschen. Die Lernbegleitung spielt hier eine unterstützende, zurückhaltende, nicht-erklärende Rolle und unterstützt den Lernprozess mit Fragen, bzw. notiert ohne Wertung alle Erklärungsversuche. Die pädagogische Haltung sowie die Miniaturen mit einfachen Gegenständen aus dem Alltag harmonieren gut mit den Möglichkeiten im Produktiven Lernen, gerade in den Naturwissenschaften, z. B. in Form von Projektwochen zwischen den Trimestern. Denkbar, aber vermutlich aufwändiger in der Konzeption, wären auch Miniaturen für Gesellschaftswissenschaften.

Das IPLE bedankt sich bei der ASH und insbesondere bei Prof. Dr. Francesco Cuomo für die tollen Einblicke in die Arbeit mit der Lernwerkstatt der ASH.

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